Weitergedacht: Das Fenster zur Welt – Kyklop Lupi

Das Fenster zur Welt – Kyklop Lupi 

Der Jugendroman Das Fenster zur Welt – Kyklop Lupi von D.S. Felix, erschienen im Friedrich-Maerker-Verlag, ist aus linguistischer Sicht interessant. Warum, nun, derzeit wird viel über korrekte Sprache in Bezug auf Geschlecht diskutiert, gleichzeitig wird eine Debatte darüber geführt, wie besonders Jungen zum Lesen gebracht werden können. Beides wird mit diesem Roman möglich. 

Erstaunlich, sagen Sie. Unmöglich, meinen Sie? Nein, Wirklichkeit, sage ich. Wie das geht, nun die Hauptperson heißt Lupi. In Zeitungsartikeln beteuern derzeit immer wieder Linguisten und Experten verschiedener Disziplinen, dass es einen deutlichen Unterschied mache, ob ein Begriff in männlicher oder weiblicher Form benutzt wird, der Rezipient könne nicht zwischen Sexus und Genus unterscheiden. Daraus resultierend wird für eine neutrale und alle Besonderheiten inkluierende Benutzung der Sprache geworben. Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen. Kein Problem, der Jugendroman ist offen für jeden Leser. Niemand kann auf den ersten Blick den Namen Lupi zuordnen, ist es ein weiblicher, männlicher oder gar eine Abkürzung? Wer weiß das schon. 

Richtet sich das Buch nun an Mädchen oder an Jungen, man kann es nicht sagen, es ist eine junge Person, kein alter und geformter Mensch. Auch aus der Tätigkeit und den Gedanken geht nicht hervor, ob es nun ein Mädchen oder ein Junge sein soll. Beschrieben und reflektiert werden Dinge, die alle Menschen betreffen, Geschlecht und Sexualität sind dabei unerheblich. Die Sprache vermeidet Personalpronomen, die dies festlegen würden. Viel entscheidender ist für die Hauptperson der Individualismus in Verbindung mit Eigenverantwortung. Der Roman zeichnet sich einerseits durch Reflexion und Träume über die Conditio Humana aus, andererseits durch einen Mangel an körperliche Aktivität und Erfahrung, weil der Handlungsspielraum von Lupi räumlich beschränkt ist und von indirekter Interaktion geprägt ist. Darin spiegelt sich das heutige Leben, das durch viele Einflüsse gekennzeichnet ist, die Informationsflut muss bewältigt werden, das ist für niemanden leicht. 

Genauso wie die Zuordnung des Namens und Geschlechtes unklar bleiben, bleiben viele weitere Aspekte bis zum Schluss offen oder unklar. Handelt es sich um eine Zukunftsvision oder befinden wir uns in der Vergangenheit oder doch in der Gegenwart? Wird hier Realität oder Traum oder eine Vision beschrieben? Fragen über Fragen, da heißt es, sich darauf einzulassen und darüber nachzudenken. 

Mir geht es hier nicht um eine Textwiedergabe oder Zusammenfassung, entscheidend ist, dass der Roman nach vielen Seiten offen ist und eben sowohl Jungen als auch Mädchen anspricht, er kann auch als eine Geschichte der Identifikation oder Integration gelesen werden, es gibt unglaublich viele Möglichkeiten der Lektüre, jeder Leser wird etwas finden, was ihn anspricht. Das Fenster zur Welt – Kyklop Lupi von D.S. Felix kann im Buchhandel erworben werden oder beim Verlag bestellt werden, und es gibt auch eine digitale Fassung. 

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