Buchstabenspiel: Übersetzung oder Übertragung

An dieser Stelle möchte ich auf einen Blog aufmerksam machen, der sich mit Spracherwerb, Zweisprachigkeit, Leseförderung besonders in Bezug auf Kinder- und Jugendbücher befasst. Der Blog heißt Buchstabenspiel und hier ist ein Artikel, der dort Anfang des Monats veröffentlicht wurde:

Übersetzung oder Übertragung

Worin liegt der Unterschied zwischen einer Übersetzung und einer Übertragung? Gibt es wirklich einen Unterschied und wenn dem so ist, was ist er?

Übersetzung und Übertragung können als Synonyme verwandt werden, aber das Empfinden unterscheidet diese beiden Begriffe. Das heißt, Übersetzung klingt professionell und damit wird angedeutet, dass der Text in beiden Sprachen sehr gleich ist. Durch die Rolle des Übersetzers wird Vertrauen vermittelt, man erhält den Eindruck, dem Text vertrauen zu können, er wird glaubhaft. 

Eine Übertragung ist natürlich auch eine Übersetzung, aber es wird der Eindruck erweckt, dass sie weniger nah am Text ist als eine Übersetzung und dementsprechend wird sie nicht so ernst genommen. Aber eine Übertragung besagt auch klar und deutlich, dass der Text seinem Sinn gemäß in einer weiteren oder anderen Sprache wiedergegeben wird. Der Fokus liegt auf der Hermeneutik, der verstehenden Textwiedergabe, dabei ist es weniger entscheidend, dass die Wortwahl genau getroffen wird. 

Doch, was ist nun richtig? Natürlich sind es beide Fassungen, wobei es „richtiger“ oder treffender wäre zwischen dem Zweck der Übersetzung oder Übertragung zu unterscheiden. Als Autorin und Übersetzerin meiner eigenen Texte stoße ich immer wieder an meine Grenzen, weil ich bestimmte Worte für bestimmte Dinge benutze, aber das heißt noch lange nicht, dass in welcher der Sprachen auch immer, jeder genau diese Worte benutzen würde. Das ist ein Problem. Aber es ist kein fachliches Problem, sondern ein kulturelles. Meine Prägung und mein Werdegang lässt mich bestimmte Dinge auf die eine oder andere Art und Weise verstehen. Damit das klarer wird, ich bin in der ehemaligen DDR geboren, dort gab es einen starken Einfluss durch den sogenannten Ostblock, danach habe ich in der BRD gelebt, da wurde ich durch humanistische Schulen und dem Einfluss Frankreichs und Italiens geprägt, dazu kam, dass ich englischsprachige Partner und Freunde hatte und habe, dadurch kam eine weitere Facette hinzu, außerdem lebe ich in Spanien und habe eine Affinität für Südamerika… nun auch das hat seine Spuren hinterlassen. Dabei ist noch nicht allem Rechnung getragen, es ist nur ein kleiner Ausschnitt an all dem, was mich und mein Verständnis von Sprache ausmacht angerissen. Die Frage nach der Übersetzung und Übertragung findet immer und überall statt, der Dialog bietet als einziger die Möglichkeit für gegenseitiges Verstehen. 

Viele Grüße – Buchstabenspiel

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